Herbarium
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Misteln

Zum Ende des Jahres, im Dezember sieht man sie wieder häufig, auf ländlichen Weihnachtsmärkten, gold oder silbern angesprüht, einzelne Zweiglein mit roten Schleifen oder größere kugelförmige Büsche , die dann besonders eindrucksvoll sind, wenn sie ihre schönen milchigweißen Beeren tragen, die irgendwie ja auch an Weihnachtskugeln erinnern.
In der Winterlandschaft kommen sie jetzt besonders gut zur Geltung, hoch oben in ihren unbelaubten Wirtsbäumen, meist in vielen runden Gebilden unterschiedlicher Größen und in unterschiedlichen Grüntönen, die Misteln. Und als sie mir kürzlich bei einer Fahrt durch das Odertal erneut so zahlreich auffielen, dachte ich daran mich etwas näher zu informieren.
Ich holte also meine alten Heilpflanzen- und Kräuterbücher vor und vervollständigte meine Recherchen noch durch den einen oder anderen Fakt aus dem Internet.
Zuerst fiel mir natürlich der auch heute noch praktizierte Brauch in unseren mitteleuropäischen Breiten ein: „Mädchen unterm Mistelzweig darf man küssen“. „ Mistelzweige die man als Geschenk bekommt bringen Glück und Frieden.“
Brauchtum um die Misteln begegnete mir rund um die Welt und das verwundert nicht weiter, wenn man sich ihre Verbreitung ansieht. Die Anzahl ihrer anerkannten Arten ist umstritten und beträgt zwischen 400 und über 1400. Die bei uns beheimatete und bekannteste Art ist Viscum album, die Laubholz-Mistel , die übrigens zu den Sandelholzgewächsen gehört. Sie hat eine interessante Biologie und auch ihre Verbreitung hoch in den Bäumen ist so bemerkenswert, dass sie zu Recht, als eine Diva des Pflanzenreichs bezeichnet wird. Die sonst übliche Ausrichtung zum Licht scheint für sie keine Rolle zu spielen, ihr kugelförmiger Wuchs vollzieht sich gleichmäßig in alle Richtungen, sie kümmert sich weder um Sonnenstände noch um Schwerkraft.
Doch zunächst zurück zu den Bräuchen.
Als Lebewesen zwischen Himmel und Erde waren die Menschen schon immer von der Mistel fasziniert. Überliefert ist, dass Misteln zur Wintersonnenwende am Hauseingang aufgehängt wurden. Die Zweige sollten das Haus vor Feuer, bösen Geistern und Schaden bewahren. Auch in späteren Jahrhunderten wurde sie in Bräuche des christlichen Glaubens integriert. Nun galt sie als segnende und friedensstiftende Pflanze. Unter ihr versöhnte man sich und gab sich den Friedenskuss. Das Küssen unterm Mistelzweig ist daraus entstanden und gehört bis heute zu den Weihnachtsbräuchen in England und den USA. Wer sich unter Misteln küsst, soll ein glückliches Liebespaar werden. Noch lange bevor die Weihnachtsbäume in Mode kamen dienten die Mistelzweige übrigens bereits schon einmal als Weihnachtsschmuck, gerieten dann lange in Vergessenheit bevor sie heute im allgemeinen Kräutertrend zu neuen Ehren gelangen.
Um diese alte Zauberpflanze rangten sich aber auch viele Mythen und Sagen. Magisches ist von Druiden, Kelten und Römern überliefert. Auch in der griechischen Mythologie fehlt sie nicht. Viscum album ist eine uralte Heilpflanze, sie galt als Allheilmittel, wurde hoch verehrt und durfte in keinem Zaubertrank fehlen. Bemerkenswert ist ihre Linderung von Alterleiden als Tee oder Auszug verwendet!
Obwohl sie leicht giftig ist und besonders wegen ihrer Beeren auch den Giftpflanzen zugeordnet wird. Aber wie so oft im Leben, macht wohl „die Dosis ob ein Ding ein Gift ist“ und etwas Vorsicht sollte auch in diesem Fall geboten sein.
Bis heute besitzt sie Bedeutung in der alternativen Krebstherapie und in der Homöopathie. Auch in der modernen Medizin werden ihre Inhaltsstoffe vorallem gegen Bluthochdruck eingesetzt.
Die Diva ist ein Halbschmarotzer, der sich an Bäumen festsetzt, dort an die Leitbahnen andockt und Wasser und Nährstoffe des Wirts nutzt. Als immergrüne Pflanze betreibt die Mistel allerdings noch selbst Photosynthese, was sie von Vollschmarotzern unterscheidet und sorgt somit selbst für ihre Versorgung mit Kohlenhydraten
Die Blütezeit im sehr zeitigen Frühjahr und die Früchte im späten Winter gehören zu ihren besonderen Vermehrungsstrategien. Weithin leuchten ihre hellen Früchte im Winter in den kahlen Bäumen und dienen Vögeln (die uns übrigens nur im Winter besuchen) wie der Mistel-Drossel und dem Seidenschwanz als Nahrung. So bezieht sich auch der lateinische Name „Viscum album“ auf die Beeren. „Viscum“ bedeutet Leim, klebrig, Schleim. Daher kommt letztlich auch die Redensart „Jemandem auf den Leim gehen“ und „album“ heißt „weiß, hell“. Diese klebrigen Reste stören als bald recht erheblich und so versuchen sie durch wätzen des Schnabels an Ästen und Zweigen diese wieder loszuwerden, verteilen dabei aber auch die Samenkörner in den Bäumen, wo diese festkleben und beginnen zu den Leitbahnen vorzudringen.
In Deutschland ist die Mistel übrigens geschützt und darf somit nicht von den Bäumen geholt werden! Laut Nabu sind „Misteln Wildpflanzen und damit generell größeren oder kommerziellen Sammelaktionen nicht zugänglich, die Entnahme der geschützten Pflanze aus der freien Natur ist zudem nur mit besonderer Genehmigung möglich. Von Herbststürmen heruntergeworfene Misteln aber können bedenkenlos auch in größeren Mengen gesammelt werden. In Kulturen wie Gärten oder Streuobstwiesen ist das „Ernten“ von Misteln in Abstimmung mit dem Bewirtschafter ebenfalls unproblematisch. Bisher jedenfalls hat die stärker gewordene Nachfrage als Weihnachtsschmuck zu keinen messbaren Bestandseinbußen geführt.“
Mich hat besonders beeindruckt, dass Misteln ein ganzes Jahr brauchen, um an die Leitbahnen des Wirts zu gelangen. Erst im zweiten Jahr bildet sich der erste verzweigte Spross. Misteln wachsen also sehr langsam, fügen ihrem Wirt somit auch nicht allzu große Schäden zu, aber so ein Busch von kaum einem halben Meter Durchmesser vom Weihnachtsmarkt kann leicht 20 bis 30 Jahre alt sein !
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